Stadterkundungen

Blick aus meinem Fenster. Sonnenuntergang mit Blick auf die Oberstadt und den Rova Palast.

Das ganze Wochenende bin ich duch die Stadt gelaufen, bergauf, bergab, habe mich Treiben lassen und habe beschlossen: Ich mag Tana! Ich finde es richtig schön hier.

Am Wochenende ist es viel ruhiger ohne die ganzen Automassen, die sich die Straßen langquälen. Die Menschen sind sehr freundlich und grüßen ganz oft. Man wird angelächelt. Ich habe nicht das Gefühl unsicher zu sein. Klar passe ich auf meine Tasche auf.

Am Samstag geht es hinauf zum alten Königspalast Rova. Dorthin, wohin ich jeden Abend aus meinem Fenster schaue. Der Weg von meiner Wohnung aus ist wunderschön, man überquert die Avenue de l’Independence – die in etwa den Ruf hat wie Las Ramblas in Barcelona – und geht Treppen hinauf zur Oberstadt, dort wo die schönen alten französischen Stadtvillen stehen. Auf den Treppen ist gleichzeitig Markt, Reis, Gemüse, Obst, sogar mit Preisangaben. Bei einem ersten Blick hinunter zur Einkaufsstraße kann man auf einer Terrasse ca. 80 Madagassen bei schrecklicher Musik beim Zumba zusehen. Das ist hier ganz angesagt. Ein lustiger Anblick.

Immer weiter bergan steigend hat man tolle Ausblicke, und nach jeder Kurve sieht die Stadt wieder ganz anders aus…wie schnell sich die Perspektive doch ändert mit all diesen Hügeln. Auf Anraten meiner Kolleginnen habe ich weder Handy noch Kamera mitgenommen – ich bereue es nach der ersten Treppe schon. Nächstes Mal mache ich den Weg ausgestattet, ich muss es ihnen ja nicht sagen. Oben angekommen beim Palast kurzes freundliches Abwimmeln von Taxifahrern und Guides „Heute nur Tsanga Tsanga = Spaziergang.“ Das funktioniert erstaunlich gut und alle freuen sich. Ich gehe einen kleinen Pfad um den Palast und bin total begeistert von den Ausblicken. Die Berge im Hintergrund sehen so schön aus, dass ich am liebsten gleich wieder loswandern würde.

Auf dem Rückweg geht es vorbei an Fußballtunieren und boulespielenden Halbstarken, die ganz verlegen werden, als ich ihnen zuschaue. Aber sie sind ganz gut.

Am Sonntag werde ich wie schon am letzten Wochenende von lauter Musik geweckt. Ich wohne neben einem Park mit Freiluftbühne. Und die Saison hat begonnen. Heute ist wieder Kirche, die Gesänge sind tatsächlich ganz nett anzuhören, die Predigt verstehe ich nicht. Ich laufe wieder los, ohne Plan, an vielen Kirchen vorbei, aus jeder klingt Chorgesang. Alle Menschen, die mir begegnen haben sich schick gemacht. Ich kaufe einem Straßenhändler einen Courrier International ab, um französisch zu lesen, und zahle viel zu viel Geld dafür. Ich habe keine Lust zu handeln. Als ich zuhause bin merke ich, dass auf der Ausgabe „Gratisexemplar“ steht. Der Hund!

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